Reisefotografie aus der ganzen Welt
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Reisekamera Vergleich – Fujifilm X-Pro2 vs. Canon 5D Mark III

Als Reisefotograf ist man in Sachen Traumkamera nicht einfach zufriedenzustellen. Denn Reisefotografie stellt prinzipiell hohe Anforderungen an die Kameratechnik. Nur um die wichtigsten Punkte zu nennen, sollte eine geeignete Reisekamera in der Lage sein zuverlässig mit sich ständig ändernden Lichtbedingungen umgehen zu können (Dynamikumfang / ISO-Performance / Weissabgleich). Dabei sollte sie möglichst reaktionsschnell (Autofokus) sein um auch spontane und unvorhergesehen Momente festhalten zu können. Farbtechnisch ausbalancierte und scharfe Fotos gehören sowieso zum “must have” einer solchen Allrounder-Kamera. Nicht zu vergessen ist der Formfaktor und das Gewicht der Kamera. Je schwere und grösser sie ist, desto unangenehmer und unflexibler ist das Reisen mit ihr.
Seit der Markteinführung 2012 fotografiere ich mit der Canon 5D Mark III und zahlreichen Prime-Objektiven. Die 5D liefert ausgezeichnete Bildqualität, ist blitzschnell und hat eine, für die meisten Situationen, sehr gute  ISO-Performance. Sie kommt dem Allrounder schon recht nahe. Allerdings wurden mir mit jeder neuen Reise, die ich in den letzten vier Jahren unternommen habe, auch die Schwächen und Nachteile der 5DMKIII deutlich, die mich mehr und mehr störten und teils verzweifeln liessen.  Diese Schwächen sind insbesondere ihre Grösse, ihr Gewicht (bis zu zwölf kg in meiner Kameratasche) und ihr unterirdischer Dynamikumfang – gemessen am aktuellen Standard.
Für meine Reise durch Marokko im Oktober 2016 hat mir FUJIFILM Schweiz freundlicherweise die Fujifilm X-Pro 2 mit zahlreichen Objektiven zur Verfügung gestellt, um die Kamera auf Herz und Nieren für meine Zwecke zu prüfen. Ich wollte schon lange eine spiegellose Kamera (Mirrorless) mit auf Reisen nehmen. Eine Vollformat-Mirrorless kommt für mich jedoch kaum in Frage, da man beim Thema Grösse und Gewicht (meine grössten beiden Probleme) grundsätzlich nur am Kamerabody spart. Die sperrigen und schweren Objektive bleiben dieselben. Dennoch war meine Skepsis von meiner Canon Vollformat auf auf eine vermeintlich schwächere Fuji mit APS-C Sensor zu wechseln anfangs sehr hoch. Da ich hohe Ansprüche an die Bildqualität stelle, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass eine APS-C Kamera nur halbwegs mit einer Vollformat mithalten kann. Der Sensor ist eben deutlich kleiner. Mein Resumé nach zwei Wochen mit der X-Pro 2 auf Reisen? Ich habe mittlerweile meine gesamte Canon Ausrüstung verkauft und bin dabei zu Fujifilm zu wechseln. Hier ist die Begründung.

Essaouira Marokko
Chefchaouen Marokko

Fotografieren mit der X-Pro2 – Genereller Eindruck – Handhabung

Das Allerwichtigste zuerst. Eine Kamera muss Spass machen und in einem den Willen zu fotografieren wecken. Genau das habe ich vom ersten Moment an der X-Pro2 lieben gelernt. Durch ihre Kompaktheit und geringes Gewicht, aber auch durch ihr tolles Bedienkonzept, stellt sich genau dieser Effekt ein. Weil die Kamera so klein und leicht ist, ist sie immer griffbereit. Sie wächst einem förmlich an den Körper. Persönlich habe ich dadurch wesentlich öfter, flexibler und intensiver fotografiert als auf Reisen mit meiner 5D. Vorbei die Zeiten wo ich abwägen musste, ob sich der Aufwand lohnt die schwere Kamera aus der Tasche zu holen.. Mit der X-Pro2 fotografiert man einfach drauf los, als wäre sie eine Verlängerung der eigenen Augen. Das macht irre Spass und ist ein Riesenvorteil zur Vollformat-DSRL. Vor allem bei spontaner Street Photography, die ein  grosser Teil meiner Reisereportagen ist. Mit der X-Pro2 nehmen einen die Menschen auf den Strassen kaum wahr bzw. ernst, weil sie die Kamera wahrscheinlich für eine Amateurkamera halten. Dadurch ist man in der Lage wesentlich intimere Momente zu fotografieren als mit einer grossen DSRL. In Marokko war es für mich jedenfalls einfacher den Menschen näher zu kommen und ihren privaten Alltag zu fotografieren. Mit meiner klobigen 5D Mark III wurde ich schon oft aufgefordert sie wegzustecken und/oder den Ort des Geschehens zu verlassen. Das ist ein bekannter Effekt. Macht man ein Foto mit einer kleinen Kompaktkamera oder einem Smartphone, haben alle Beteiligten Spass daran und drücken sich lächelnd ins Bild. Versucht man das Gleiche mit einer grossen DSRL, laufen buchstäblich alle schreiend davon. Das gilt auch für mich.
Die einzigen Dinge, die mich beim Handling etwas gestört haben sind das Menü und die Einstellungen für ISO. Das wirklich nervige am Menü ist, dass sich die Kamera die letzte Position im Menü nicht merkt und beim nächsten mal immer wieder im Hauptmenü startet. Ich hoffe, Fuji passt das in Zukunft mit einem Firmware-Update an.
Die ISO-Einstellungen sind zusammen mit dem Shutter-Speed auf ein Rädchen gelegt. Smarte Idee, funktioniert im Alltag allerdings eher schlecht und träge. Zum ändern der ISO muss man das Rädchen anheben und in die gewünschte Position drehen. Für jemanden wie mich, der ISO manuell setzt und sie daher oft wechselt, eine recht unbequeme und langsame Lösung. Wer gern mit Auto-ISO fotografiert, sollte sich an meinem Problem jedoch nicht stören. Die X-Pro2 bietet dafür drei Optionen die AUTO-ISO-Range zu definieren. Es lässt sich ganz schnell zwischen den gewünschten Werten switchen. Eine tolle Funktion, die ich schlussendlich sehr oft benutzt habe.

Bildqualität – Dynamikumfang- RAW-Dateien

Fujifilm Kameras wurden schon an vielen Ecken für ihre Farben und ihre Bildqualität gelobt. Ich möchte mich daher nicht in technischen Details verlieren, sondern meinen subjektiven Eindruck beschreiben. Kurz gesagt, die Bildqualität der X-Pro2 (RAW) ist hervorragend und im persönlichen Vergleich zur 5D Mark III dieser sichtlich in Sachen Dynamikumfang, Schärfe, Farben und Weissabgleich (Canon und sein Rotstich) überlegen. Besonders die Dynamik des APS-C Sensors hat mich erstaunt. Ich empfinde die Verteilung von Schatten und Lichtern als deutlich ausgeglichener und homogener als bei Canon. Die 5DMKIII kann mit hohen Lichtkontrasten nur schlecht umgehen und säuft daher schnell in den schatten ab oder überstrahlt in den Lichtern (Clipping). Das ist bei der Fuji sichtlich besser gelöst, was vor allem bei Gegenlichtsituationen oder hartem Mittagslicht deutlich wird. Und was die Farben angeht? Die Farben der Fuji sind in der Tat umwerfend. Ich kann gar nicht wirklich beschreiben was mir genau so gut gefällt. Irgendwie haben die Fotos einen weicheren, wärmeren Charakter, der einem Film-Look recht nahe kommt und den ich einfach als angenehm empfinde.

ISO-Performance

Es war das Thema ISO-Rauschverhalten, dass mich 2012 von APS-C auf Fullframe hat wechseln lassen. Vor allem ISO-Performance von APS-C Kameras war damals einfach unterirdisch und ab ISO 800 kaum zu gebrauchen. Hier hat sich in der Kameratechnik offenbar enorm viel getan. Die X-Pro 2 verhält sich sehr gut und erst ab ISO 3200 rauscht sie sichtlich stärker als die Canon. Hier haben Vollformat-Sensoren noch die Nase vorn. Jedoch ist der Vorsprung gering und für mich persönlich zu vernachlässigen.

Bokeh

Was das Bokeh von APS-C Kamera´s angeht, ist dieses durch ihren Crop-Factor (1.52 bei der X-Pro2) natürlich nicht so weich wie bei einer Vollformat-Kamera. Ein Foto mit der Fuji bei Blende f2.8 entspricht ungefähr dem Bokeh bei f4 an einer Vollformat (35mm).  Spätestens bei grossen Blendenöffnungen zwischen f1.2 und f1.8 nimmt man den Unterschied zwischen APS-C und Vollformat deutlich wahr. Letztendlich ist das wohl Geschmackssache. Ich fotografiere zwar selten mit extremen Blendenöffnungen. Dennoch hat mir das manchmal gefehlt, da es eben doch ein wichtiges Stilmittel der Fotografie ist, das mit einer APS-C Kamera ein wenig eingeschränkt wird.

Der elektronische Sucher (EVF)

Auf das fotografieren mit dem elektronischen Sucher (electronic viewfinder EVF) war ich am meisten gespannt. Kurz gesagt, ich liebe es und möchte nicht mehr zurück zur optischen Variante (optical viewfinder OVF). Die Tatsache, dass man direkt beim Fotografieren sein fertiges Bild sieht, hat sich für mich als ungemeiner Vorteil herausgestellt. Änderungen am Weissabgleich, der Tiefenschärfe, oder Belichtung werden direkt auf den Sucher projiziert. Vorbei ist die Try-and-Error Zeit. Der EVF der X-Pro2 ist für meine Verhältnisse etwas zu klein, da der optischer Sucher meiner 5D Mark III einfach riesig war und ich darauf nicht mehr verzichten möchte. Auch hat der EVF der Fuji einen leichten Blaustich, den man zwar feinjustieren, aber nicht ganz ausgleichen kann. Hier ist der EVF der Fujifilm X-T2 leistungsfähiger sowie deutlich grösser und heller. Zum optischen Sucher der X-Pro2 kann ich nicht viel sagen. Habe ihn genau einmal ausprobiert und danach nur noch mit dem EVF fotografiert.

Autofokus

Der Autofocus der X-Pro2 ist sehr flott. Gefühlt ist der Autofokus der X-Pro2 nur geringfügig langsamer als der meiner 5D, der sehr, sehr schnell ist. Dafür ist er wesentlich präziser, vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen und Dunkelheit. Nach zwei Wochen Dauereinsatz unter verschiedensten Bedingungen erinnere ich mich an nur eine Situation wo ich den Focus verpasst habe. Hier ist es wichtig zu wiederholen, dass grundsätzlich überwiegend  mit dem Kit-Objektiv fotografiert habe. Hochwertige Linsen aus dem Portfolio von Fuji performen besser. Jedenfalls ist die Fehlerquote des Autofokus deutlich niedriger im Vergleich zur 5D Mark III. Was am Ende sicher auch am EVF liegt, der einem direkt anzeigt, ob ein Motiv im Fokus ist, oder nicht.

Fazit

Als eingeschworener Vollformat-Fotograf hatte APS-C Kamera´s grundsätzlich nicht im entferntesten auf dem Radar. Ich bin froh hat sich das geändert. Die X-Pro 2 ist eine grossartige Reisekamera, die meinen hohen Ansprüchen an Bildqualität, Handhabung und Schnelligkeit mehr als gerecht wird und diese in Teilen sogar übertrifft. Zudem sind ihr geringes Gewicht und ihre Kompaktheit genau das, was ich für meine Reisen gesucht habe. Das Schönste jedoch ist, dass es Fuji schafft meine Leidenschaft zu fotografieren in ganz neue Dimensionen zu heben. Das ist unbezahlbar. Kleinere Nachteile zur Vollformat-Welt wie das weniger weiche Bokeh und etwas mehr ISO-Rauschen nehme ich dafür gern in Kauf. Persönlich werde ich wohl zur Fuji X-T2 greifen, weil sie zum Einem gegen Staub und Spritzwasser geschützt ist und zum Anderen einen grösseren und helleren Sucher (EVF) hat, der mir persönlich wichtig ist. Zudem gibt es für die Einstellung der ISO-Werte bei der X-T2 ein eigenes Rädchen. Ich hatte Fuji nie auf dem Schirm, habe aber in den letzten Wochen viel über die Firma und deren Kamerasysteme gelesen und gehört. Ich denke, der Hersteller ist auf einem tollen Weg und gestaltet aktiv die Zukunft der Fotografie mit. Das kann ich von Canon leider schon lange nicht mehr behaupten. Technisch und innovativ hinkt Canon der Konkurrenz in beinahe allen Bereichen hinterher. Das ist schade, denn ich in die letzten 15 Jahre ausschliesslich mit Canon Kameras fotografiert. Diese Ära ist nun vorbei. Noch habe ich die X-T2 nicht bestellt, denn es bahnt sich auf der anderen Seite der Preisskala gerade etwas anderes, sehr reizvolles an. Die Hasselblad X1D als erste spiegellose Mittelformat-Kamera wird gerade vorgestellt. Da bekommt ich allein beim Gedanken daran feuchte Augen. Mal sehen wohin es mich am Ende treibt. Die Vernunft spricht für Fuji. Der Nerd für Hasselblad. Aufregende Zeiten.

Dieser Artikel ist auch auf Englisch auf Fujirumors.com erschienen

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